Rugby-Bundesliga Süd/West: Müder Vizemeister TV Pforzheim verliert dank vieler individueller Fehler beim SC 1880 Frankfurt mit 31:12

Frankfurt/Pforzheim. Mit zahlreichen Unachtsamkeiten, mangelnder Disziplin und vielen individuellen Fehlern beim Passen und Fangen des Leder-Eis hat sich der deutsche Rugby-Vizemeister TV Pforzheim am dritten Spieltag der Rugby-Bundesliga-Süd/West selbst ein Bein gestellt. Ein clever den Vorsprung aus der ersten Halbzeit verwaltender und dann mit späten Versuchen eiskalt zuschlagender SC Frankfurt 1880 gewann das Duell der Mitfavoriten klar mit 31:12 und katapultierte sich damit auf Rang zwei. Der TVP ist nur Tabellenfünfter und muss sich allmählich Sorgen machen, wie man den Anschluss nach oben herstellt.

„Das war kein großartiges Spiel. Wir haben noch eine ganze Menge Arbeit vor uns“, sagte TVP-Trainer John Willis nach der Niederlage in Frankfurt. „Unser Start ins Match war gar nicht so schlecht. Wir hatten zehn gute Minuten mit ordentlichen Spielpassagen in der Frankfurter Hälfte, aber dann verschenkten wir die Punkte durch einfache Fehler und mangelhafte Disziplin“, erklärte Willis. Es habe an grundlegenden Fertigkeiten gemangelt. Schwache Befreiungskicks in die Hände des Gegners, keine nachsetzenden Sprints, die den Gegner unter Druck setzen, schlecht geworfene Pässe und Flügelflitzer, die in aussichtsreicher Position für einen Sololauf ins SC- Malfeld mehrmals den Ball fallen lassen – zu viele Pannen, um aus Frankfurt Punkte mitnehmen zu können.

Das Positive: Die starken Männer im Sturm des TVP hatten einen guten Tag erwischt. Die „Rhinos“ waren in den Gedrängen klar überlegen. Folgerichtig resultierten die zwei TVP-Versuche aus Paketen, die mit unbändiger Macht ins Frankfurter Malfeld geschoben wurden. Tim Kasten konnte dabei zweimal erfolgreich ablegen.

Das war es dann leider auch schon, denn die schnellen Sprinter wirkten an diesem Tag müde und zuweilen auch lustlos. Die sonst so gefährliche Waffe der Pforzheimer blieb stumpf, konnte keine Gefahr aufbauen, weil sie entweder gar nicht zum Sprint ansetzte oder unkonzentriert durch Fangfehler Chancen verschenkte.

Nach einer halben Stunde stand es 17:7 für die Frankfurter. Daran änderte sich bis zur 65. Minute nichts. Lange sah es so aus, als würde der SC das Resultat souverän verwalten, denn mit weiten Befreiungskicks hielten sie den TVP erfolgreich aus der eigenen Spielhälfte heraus. Und so war es wieder der starke Sturm der Pforzheimer, der mit einem Paket die Frankfurter vor eine unlösbare Aufgabe stellte und auf 17:12 verkürzte. Danach keimte noch einmal Hoffnung auf, die „Rhinos“ waren plötzlich öfter in der gegnerischen Hälfte zu sehen, doch immer wieder bremsten unnötige Fehler die Angriffsbemühungen aus. Nur ein erhöhter Versuch hätte genügt, um den TVP in Front zu bringen. Stattdessen aber besiegelte der SC bei unkonzentrierter Gegenwehr mit zwei Last-Minute-Versuchen die unerwartet hoch ausfallende Niederlage eines müden Vizemeisters.

„Wir müssen uns jetzt schnell von diesem Spiel erholen und für das Sonntagmatch gegen den SC Neuenheim wieder in die Spur zurückfinden. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln und hart arbeiten. Beim SCN müssen wir wieder hellwach sein und engagierter zu Werke gehen“, gibt TVP-Coach Willis als Devise aus. Die Neuenheimer haben ihre drei Spiele in dieser Saison alle verloren, zuletzt daheim gegen den überraschend starken Aufsteiger Neckarsulmer SU und dabei den einzigen Bonuspunkt geholt. Auf dem Papier wäre das für die Pforzheimer machbar, aber in den vergangenen Jahren waren die Spiele bei diesem Heidelberger Club immer ein zähes Ringen gewesen. Und in dieser Saison scheinen die Gegner nicht mehr in Ehrfurcht vor dem Rugbymeister von 2016 und DRV-Pokalsieger von 2017 zu erstarren. — uh —

 

Die TVP-Versuche: Tim Kasten (2)

Die TVP-Kicks: Samj Harris (1 von 2)

Die nächsten zwei Bundesligaspiele muss der TV Pforzheim auswärts antreten: Am Sonntag, 8. Oktober beim SC Neuenheim und am Samstag, 21. Oktober beim RK Heusenstamm.

Das nächste Heimspiel des TV Pforzheim im SüdwestEnergiestadion am Rattachweg in Pforzheim-Eutingen: Mittwoch, 1. November, 14 Uhr angepfiffen – TV Pforzheim gegen Heidelberger RK.

Rugby-Bundesliga Süd/West
1 Heidelberger RK 15 +269
2 SC Frankfurt 1880 14 +51
3 Neckarsulmer SU 11 +17
4 RG Heidelberg 10 -33
5 TV Pforzheim 5 -44
6 TSV Handschuhsheim 5 -8
7 SC Neuenheim 1 -144
8 RK Heusenstamm 0 -108

 

Rugby-Bundesliga Süd/West – 3. Spieltag
SC Frankfurt 1880 31:12 TV Pforzheim
TSV Handschuhsheim 19:43 RG Heidelberg
SC Neuenheim 27:31 Neckarsulmer SU
RK Heusenstamm 0:60 Heidelberger RK