Hochspannung im Fehler-Festival: TV Pforzheim erkämpft Remis gegen SC Frankfurt 1880

Pforzheim. John Willis hat es prophezeit. Der Coach des Rugby-Vizemeisters TV Pforzheim sprach vor dem Bundesligaspiel gegen SC Frankfurt 1880 von einem „ganz engen Match“ und „Hochspannung bis zum Schluss“. Und was die Zuschauer im SüdwestEnergie-Stadion in Pforzheim-Eutingen am vergangenen Samstag erlebten, war eine den Blutdruck in die Höhe treibende Begegnung mit vielen kleinen, nervigen Fehlern auf beiden Seiten, wechselnden Führungen, großem kämpferischem Einsatz und einem Last-Minute-Showdown, der nichts für herzschwache TVP-Fans war. Am Ende blieb es beim 19:19, das für die unermüdlich, aber letztlich glücklos drückenden „Rhinos“ nicht die erhoffte Belohnung war.

Für Rugby-Ästheten mag es eine unbefriedigende Begegnung gewesen sein. Man merkte beiden Teams die lange Winterpause an. Und so wurde das erste Bundesligaspiel des Jahres zu einem Fehler-Festival, in dem laufend Bälle nach vorne fielen, Pässe zu ungenau kamen oder schlecht gefangen wurden. Der Spielverlauf bot jedoch reichlich Spannung und insbesondere gegen Ende der zweiten Hälfte gab es zahlreiche Momente, in denen den Zuschauern der Atem stockte, weil der TVP kurz vor dem Malfeld der Frankfurter für Daueralarm sorgte. Doch die Belagerung scheiterte an der beherzten Abwehr der Hessen und an den kleinen Pannen der „Rhinos“ vor dem letzten Schritt über die SCF-Mallinie.

Die Gäste hatten den besseren Start erwischt und legten nach einem Überkick den ersten erhöhten Versuch in der 12. Minute. Die Pforzheimer ließen sich mit ihrer Antwort bis zur 36. Minute Zeit. Marc Hittel und Ali Sürer trugen den Ball kurz vors Frankfurter Malfeld und Kelvin de Bruyn konnte zum ersten TVP-Versuch ablegen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff schoben die „Rhinos“ nach einer Gasse das Paket über 20 Meter nach vorne, um dann Manasah Sita Raum für einen kraftvollen Sprint hinter die SCF-Mallinie zu geben. Beide späten TVP-Versuche konnte Samj Harris sicher zum 14:7-Halbzeitstand erhöhen.

Die Frankfurter sahen immer dann gefährlich aus, wenn sie zu schnellen Sprints auf den Flügeln ansetzen konnten, was sie bei zwei überfallartigen Versuchen gleich nach dem Wiederanpfiff zur erneuten Führung der Gäste bewiesen. Da wirkte der TVP noch reichlich unsortiert. In diesem Spiel, in dem die für ihre 7er-Rugby-Nationalteams abgestellten Carlos Soteras-Merz (Deutschland) und Tafadzwa Chitokwindo (Simbabwe) auf Pforzheimer Seite vermisst wurden, setzten dann die Kraftpakete aus dem Sturm die Akzente. Immer wieder gelang es den „Rhinos“, im Paket etliche Meter an Boden gut zu machen und mit Angriffswellen quasi auf Tuchfühlung an die Frankfurter Mallinie zu vorzudringen. In der 52. Minute konnte dann Ali Sürer den Ausgleich zum 19:19 legen. Eine gelbe Karte für den SCF (zehnminütiger Platzverweis, 58. Minute) hätte die Entscheidung bringen können, denn der TVP hielt sich nun mit einem Mann mehr vorwiegend in der hessischen Spielhälfte auf, doch das Abwehrbollwerk der Gäste hielt und die hohe Fehlerquote des Gastgebers ließ Feldvorteile und Chancen immer wieder im Nichts enden.

Wenige Minuten vor Schluss mussten sich die Pforzheimer entscheiden, ob sie von der linken Außenlinie einen Straftritt zwischen die Stangen setzen oder auf einen Angriff über die Gasse spekulieren sollen. Der Kick wäre riskant gewesen, hätte aber bei erfolgreicher Ausführung die 22:19-Führung bedeutet. Der TVP wählte den Angriff über die Gasse, der jedoch keine Punkte einbrachte. Das hätte sich fast in der Schlussminute gerächt. Der SCF wollte die letzte Chance des Spiels mit einem Straftritt von der Spielfeldmitte zum Sieg nutzen. Der Kick über fast 50 Meter hinweg hatte zwar die Länge, ging aber knapp an den Stangen vorbei. Das erleichterte Aufatmen bei den Pforzheimer Fans war deutlich zu hören.

Ein Frankfurter Last-Minute-Sieg wäre dem Spielverlauf auch nicht gerecht geworden. Das Remis nützte dem TVP nur bedingt. Mit einem Punkt Abstand auf den drittplatzierten SCF liegen die Pforzheimer nun auf Rang vier vor dem punktgleichen TSV Handschuhsheim. Das Rennen um Platz drei in der Rugby-Bundesliga Süd/West – die Topteams Heidelberger RK und RG Heidelberg sind wohl nicht mehr einzuholen – bleibt weiter offen. — uh —

 

TVP-Versuche: Kelvin de Bruyn, Manasah Sita, Ali Sürer (je 1)

TVP-Kicks: Samj Harris (2 von 3 Erhöhungen)

 

Das nächste Heimspiel des TVP: Samstag, 14. April, 15 Uhr, TV Pforzheim – SC Neuenheim

 

Runde 9 der Rugby-Bundesliga Süd/West
Heidelberger RK 93:0 RK Heusenstamm
Neckarsulmer SU 17:16 SC Neuenheim
TV Pforzheim 19:19 SC Frankfurt 1880
RG Heidelberg 15:10 TSV Handschuhsheim

 

  Rugby-Bundesliga Süd/West Spiele Punkte + / –
1 RG Heidelberg 9 39 +136
2 Heidelberger RK 7 35 +467
3 SC Frankfurt 1880 9 26 -6
4 TV Pforzheim 9 25 +85
5 TSV Handschuhsheim 9 25 -47
6 Neckarsulmer SU 8 16 -62
7 RK Heusenstamm 9 7 -261
8 SC Neuenheim 8 4 -312